Die Geschichte der Rhenania

Am 10. August 1905 fand im Saal Leuchter, Aachener Straße 31, nachdem eine vorbereitende Besprechung im Saale Rath (heute Hotel-Restaurant Brepols) voraus gegangen war, die Gründungsversammlung des SV Rhenania statt. An der Wiege des ersten Würselener Fußballvereins standen folgende Männer:

August Bresser, Peter Schirp, Emil Hartoch, Josef Zander, Paul Reuters, Heinrich Reuters, Hubert Keaver, Josef Kaever, Wilhelm Kaever, Wilhelm Göttgens, Heinrich Keller, Erich Müller, Severin Mager, Josef Leuchter und Wilhelm Winter.

Die ersten 25 Jahre

Der damals gegründete Verein verschrieb sich in der Hauptsache der Pflege der Geselligkeit und der Unterhaltung. Die sportliche Betätigung rangierte erst an zweiter Stelle. Die Bürgschaft von Würselen brachte dem neuen Sport in der ersten Zeit wenig Verständnis entgegen. Nicht zuletzt  war man darüber entrüstet, dass die Trainings- und Wettkampfspiele sonntags in den Nachmittagsstunden stattfanden und die Jugendlichen dadurch den Besuch der kirchlichen Andacht ferngehalten wurden. Im Winter des Jahres 1905 startete der erste Wettkampf gegen den bereits bestehenden Fußballclub Aldenhoven. Für die Fahrt nach Aldenhoven  "charterte" das Mitglied Josef Zander zwei zweispännige Wagen eines Aachener Haudererbetriebes. Über Birk, Euchen, Linden-Neusen, Hoengen und Schleiden fuhr man Richtung Aldenhoven. Der eindrucksvolle 2:0 Sieg wurde zunächst bei einer Rundfahrt durch Aldenhovener Lokale gefeiert. Doch damit war es noch nicht genug. Auf der Rückfahrt wurde in allen Kneipen Station gemacht, die auf dem knapp zwanzig Kilometer langen Weg lagen. Nach diesem Sieg widmete Josef Leuchter der Aldenhovener Elf ein Lied, das in späteren Versammlungen und bei nachfolgenden Begegnungen immer wieder aus vollen Kehlen gesungen wurde.

Durch den Beitritt zum Rheinisch-Westfälischen Spielverband (1907) wurde die Teilnahme an Meisterschaftskämpfen ermöglicht. Nach mühsamer Aufbauarbeit war der dritte Platz in der C-Klasse der erste sichtbare Erfolg, der auf dem Sportplatz am Kaninsberg erkämpft wurde. Zwei Jahre später (1910) wurden die Schwarz-Gelben Gruppenmeister der C-Klasse und durch einen 3.2 Sieg über die Kölner Alemannia Bezirksmeister. Im Verlaufe der Jahre verschaffte sich Elf unter den Landvereinen einen führenden Namen. Spielerisch war die Mannschaft stets für einen zweiten bzw. dritten Tabellenplatz gut. Außerdem stieg das Interesse des Publikums an dem Kampf mit dem runden Leder ständig.

Nach dem ersten Weltkrieg war die Vereinsführung bemüht, den Vereinsbetrieb zur Förderung der Jugend auf eine breite Basis zu stellen. Aus jener Zeit sind heute noch unvergessen:

W. Reiß, G. Gerber, C. Kropp, W. Pütz, M. Bergrath, C. Zimmermann,
J. Steinbusch, H. Heiliger und M. Pütz.

Vom Kaninsberg zum Lindenplatz

So idyllisch der schöne Platz am Kaninsberg auch gelegen war, er verlor mehr und mehr an Anziehungskraft, nachdem andere Vereine in der Stadt begonnen hatten, Fußball zu spielen. Der Weg zum "Monte Kanino" war einfach zu weit. Mit Hilfe von Josef Nacken wurde der Weg zum Lindenplatz geebnet. Nach harter Arbeit übergab man am 21. August 1921 eine Sportstätte ihrer Bestimmung, die fest umzäunt war und über eine überdachte Tribüne verfügte. Mehr als 30 Jahre nahm sie Sonntag für Sonntag Zuschauer auf, die auf dem Lindenplatz Spiele aller Mannschaften besuchten. Auf der neuen Platzanlage begann der Siegeszug einer Mannschaft, die den Namen des Vereins über den weiten Rheinbezirk zu einem Fußballbegriff werden ließ. Mit ungestümen Tatendrang griff die Rhenania in die Spiele um die Rheingau-Meisterschaft ein. Und das nicht ohne Erfolg. Im Jahre 1925 wurde Droste, Dondorf, Queck, Lürken, Pütz, Schirp, Zimmermann, Schmalen, W. Pütz, Krecke und Eschweiler als Westkreis- und Rheingaumeister der Kreisliga gefeiert.

In den Jahren 1926 bis 1928 hatten die Schwarz-Gelben einige harte Rückschläge zu verkraften. Unter dem Vorsitz von Kasper Karhausen musste neu aufgebaut werden. Von der Rheingau-Meister-Mannschaft waren nur noch drei aktive übrig geblieben. Aus einer gut geführten Jugendabteilung rückten Spieler wie Peter Queck, Willy Speckgens, Jupp Dümont und Gerhard Pütz in die neu formierte Elf auf. Auf Anhieb wurde sie Meister und steig in die zweite Bezirksliga auf. Als Neuling schaffte Rhenania 1929/30 den Aufstieg in die erste Bezirksliga. Was niemand erwartet hatte, trat ein Jahr später ein: Noch einmal schaffte die Lindenplatz-Elf den Aufstieg und damit den Sprung in die höchste deutsche Fußballklasse.

Mit der politischen Umwälzung kam wiederum eine neue Klasseneinteilung. Dieser fiel die Rhenania erneut zum Opfer, da die Klassen nach der Größe der Städte eingeteilt wurden. Im Jahre 1935/36 erspielte sich die Mannschaft erneut die Meisterschaft, die vierte seit 1928/29. In den nachfolgenden Aufstiegsspielen wurde der zweite Platz geholt, was den Aufstieg in die Mittelrhein-Gauliga bedeutete. Eine Reihe guter Mittelplätze wurde in den nächsten Jahren erreicht.

"Schwarze Teufel" vom Lindenplatz

Bereits im Jahre 1945 waren es Peter Queck, Johann Simons und Willy Franken, die zusammen mit einigen alten Vorstandsmitgliedern die Wiederaufnahme des Spielbetriebes bewerkstelligten. Und zwei Jahre später gelang der große Wurf: Als Meister beendete die Rhenania die Gruppenspiele des Fußballverbandes Mittelrhein. Zwei schwere Entscheidungsspiele waren zu bestreiten. Nach der unvergessenen 1:0 Sonnenschlacht im Köln-Müngersdorfer Stadion war das höchste Ziel, die Oberliga West (heute 1.Bundesliga) erreicht. Die Stadt Würselen, kaum 15.000 Einwohner groß, stellte mit der Rhenania eine Oberliga-Mannschaft. Das war der größte Erfolg, den die Rhenania-Fußballer jemals errangen. Die siegreiche Mannschaft von damals gehörten an:

Steinhauer, Bosch, Römgens, Wehren, Peter Queck, Hanf, Eschweiler, Mohren, Derwall, Simons, Plum, Heinrichs, Mainz und Frauenrath.

Ganze zwei Jahre war die Rhenania aus Würselen in ganz West-Deutschland in aller Munde. Die schwarzen Teufel machten soviel Furore, dass der Name Würselen durch sie in die deutschen Lande hineingetragen wurde.

Vier Vereine stiegen im Spieljahr 1949/50 aus der Oberliga West ab. Drei (Rhenania, Alemannia Aachen und Rot-Weiß Oberhausen) hatten als erste Anwärter auf Platz 13 selbst in der Hand bzw. in den Füßen, im Oberhaus zu bleiben - oder sich zu verabschieden. Unvergessen sind die Spiele am letzen Spieltag der Meisterschaftsrunde. Alemannia spielte zu Hause gegen den 1. FC Köln und gewann 3:2. Viele Würselener waren auch mit nach Köln gereist, wo unsere Elf gegen Preußen Dellbrück antrat und 1:4 verloren. Dadurch wurden die Preußen Vizemeister und nahmen an den Spielen um die Deutsche Meisterschaft teil. Unser Abstieg wurde endgültig besiegelt, als Borussia Dortmund (schon Wochen vorher Meister des Westens) mit stark ersatzgeschwächter Elf bei Rot-Weiß Oberhausen nach einer 3:0 Pausenführung dennoch 3:5 verlor. Das Schicksal hatte sich restlos gegen uns verschworen. Obwohl wir damals Protest einlegten und die zuständigen Verbandsinstanzen Verhandlungen "en masse" durchführten, blieb es bei der Tatsache: Rhenania steigt in die 2. Liga ab.

Die Entwicklung nach dem größten Vereinstriumph bis heute

Nach weiteren Jahren der Zugehörigkeit zu 2. Liga landete die Rhenania in der Verbandsliga, Landesliga und schließlich in der Bezirksklasse. Im Juni 1990 hatte die Rhenania wieder etwas zu feiern, nach mehr als vier Jahrzenten wurde man Meister in der Bezirksliga Aachen. Bereits fünf Spieltage vor Ende der Spielzeit 1989/90 wurde mit einem Auswärtsspiel bei Schwarz-Rot Aachen einem unmittelbaren Verfolger, der Titelgewinn unter Dach und Fach gebracht und der Aufstieg in die Landesliga gesichert.

Bereits zwei Jahre später in der Saison 1992/93 wurde rund um den Würselener Lindenplatz wieder kräftig gefeiert. In einem spannenden Entscheidungsspiel gegen die Vertretung von Borussia Köln-Kalk gelang der ersten Mannschaft des Traditionsvereins Rhenania Würselen der Aufstieg in die Verbandsliga Mittelrhein, der zweithöchsten Fußball-Amateurklasse. Weit über 1200 Fans der Schwarz-Gelben waren mit nach Oberaußem bei Bergheim gefahren - das Spiel fand auf neutralem Platz statt - um den nie gefährdeten 3:0 Triumph live mitzuerleben. In Würselen präsentierten die Fans dem Aufsteiger eine besondere Überraschung. Eine Cabriolet-Autocorso erwartete die Spieler samt Anhang am Markt. Trainer Reinhard Schilde und Spielführer Gero Wendt führten den Triumphzug durch Würselen bis in den Ortsteil Bissen (Lindenplatz) an. Im Festzelt des Bissener Jungenspiels (Kirmes) wurde noch bis in den frühen Morgen gefeiert.

In der Saison 1996/97 schaffte man unter Trainer Winnie Hannes den Aufstieg in die Oberliga Nordrhein. Als erster Gegner gastierte der 1. FC Bocholt (Regionalliga-Absteiger) auf dem Lindenplatz. Die Feuertaufe wurde mit einem 2:1 Sieg bestanden. Es folgte eine sensationelle Saison, denn die Aufsteiger vom Lindenplatz wurden völlig unerwartet Vizemeister. Es gelang außerdem, im Pokal Alemannia Aachens 1. Mannschaft aus zu schalten. Nicht ganz so glücklich endete das Spiel um den Verbandspokal des Fußballverbandes Mittelrhein, das gegen die Amateure von Bayer Leverkusen verloren wurde.

Für diese sportlichen Erfolge musste die Rhenania einen hohen Preis zahlen. Die Verantwortlichen hatten sich finanziell total übernommen, und der Verein geriet in seine größte Kriese, die in der Insolvenz endete. Doch die Rhenania wäre nicht die Rhenania, hätte sie sich in ihrem Schicksal gefügt. Mit tatkräftiger Unterstützung der politisch Verantwortlichen gelang es dem Vereinsvorstand, das Ruder herum zu reißen. Dabei musste jedoch der sportliche Abstieg in Kauf genommen werden. heute spielt die 1. Mannschaft in der Kreisliga A.

Nicht nur notgedrungen, sondern aus Überzeugung wird in dieser Spielklasse auf die eigene Jugend gesetzt. Das bisherige Auftreten der Mannschaft lässt auf bessere Zeiten und sportliche Erfolge hoffen.

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